Industrial Accelerator Act der EU: Bedeutung für Unternehmen und öffentliche Ausschreibungen

  • Vergaberecht
  • Post vom 10.06.2026

Was ist der Industrial Accelerator Act (IAA)? 

Als Eckpfeiler des Clean Industrial Deal sowie der europäischen Strategie für wirtschaftliche Sicherheit stellte die Europäische Kommission am 4. März 2026 den Industrial Accelerator Act (IAA) vor. Dieser Verordnungsvorschlag zielt darauf ab, den Industriestandort Europa langfristig zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern, indem der Absatz heimischer, CO₂-armer Technologien und Produkte gezielt gefördert wird

Welche Maßnahmen sieht der Industrial Accelerator Act vor? 

Um den Anteil der verarbeitenden Industrie am EU-Bruttoinlandsprodukt bis 2035 auf 20 Prozent anzuheben, setzt der IAA auf vier zentrale Instrumente

  • Lokale Wertschöpfung: Bei öffentlichen Ausschreibungen (z. B. für Windkraft oder Solar) sowie bei öffentlichen Förderprogrammen sollen europäische Produktion und CO₂-arme Produkte bevorzugt werden. Dies betrifft strategische Sektoren wie Stahl, Zement, Aluminium und Automobilbau sowie Netto-Null-Technologien (darunter Batterien, Wärmepumpen und Kernenergie). Ziel ist es, die Nachfrage nach Made in EU“-Produkten gezielt zu steigern
  • Strengere Investitionskontrolle: Großprojekte aus Drittstaaten in den Bereichen Batterietechnik, E-Mobilität, Photovoltaik und kritische Rohstoffe sollen einer Genehmigungspflicht unterliegen, Diese wiederum soll an strikte Auflagen geknüpft werden, nämlich eine europäische Kapitalbeteiligung, Technologietransfer, die Schaffung lokaler Arbeitsplätze sowie die Einbindung in regionale Wertschöpfungsketten
  • Verfahrensbeschleunigung: Der IAA sieht eine vollständige Digitalisierung der Genehmigungsprozesse sowie die Einführung verbindlicher Fristen vor. Zentrale digitale Anlaufstellen sollen künftig die Koordination zwischen den Behörden bündeln. Zusätzlich können Mitgliedstaaten Industriecluster ausweisen, die den ansässigen Unternehmen vereinfachte Prüfverfahren sowie einen privilegierten Zugang zu Infrastruktur und Fachkräften bieten
  • Marktförderung: Durch gezielte Förderprogramme und öffentliche Anreize soll die Nachfrage nach emissionsarmen Produkten und Technologien im Binnenmarkt gesteigert werden

Was bedeutet der Industrial Accelerator Act für österreichische Bieter:innen? 

Für heimische Unternehmen können sich durch den IAA entscheidende Wettbewerbsvorteile ergeben. Da das Gesetz als EU-Verordnung unmittelbar Rechtskraft erlangen wird, profitieren österreichische Bieter:innen direkt von einheitlichen Standards bei öffentlichen Ausschreibungen

Die bevorzugte Behandlung regionaler, CO₂-armer Produkte schützt heimische Bieter:innen künftig besser vor dem Preisdruck durch Billigimporte aus Drittstaaten. Zudem stärken beschleunigte Genehmigungsverfahren für neue Anlagen die Planungssicherheit

Wann wird der Industrial Accelerator Act rechtlich verbindlich? 

Aktuell liegt der IAA als Kommissionsentwurf vor und durchläuft nun das ordentliche Gesetzgebungsverfahren. Die finale Ausgestaltung wird im Rahmen der Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten (Rat) im sogenannten Trilog festgelegt. Eine rechtverbindliche Umsetzung erfolgt erst nach der offiziellen Verabschiedung und der Veröffentlichung im Amtsblatt der EU.

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Mag. Sophia Petö

Mag. Sophia Petö

Juristische Redakteurin